Thursday, July 07, 2005

Sabine Dreemann über den Therapeuten – Workshop 2004

Workshop im CP-Center – eine Reise durch die verschiedensten Aspekte in der Behandlung von Kindern mit Zerebralparese in Nepal

Montag,(Datum) 9.30 Uhr, nun ist es also soweit, Professor Rajbhandari, Direktor des Cp Centers und seine rechte Hand Professor Shrestha, Suresh Kaphle, Leiter des ORP, Aradhanna, Leiterin des Reha Centers, Shova, Leiterin der Schule, Susi Groeli, langjährige ehrenamtliche Mitarbeiterin und ich stehen erwartungsvoll in einem angemieteten Schulungsraum in Kathmandu und sind sehr gespannt, ob alle angemeldeten TeilnehmerInnen zum 4wöchigen Workshop über Zerebralparese erscheinen werden.

Da dieser Workshop eine lange Vorbereitungszeit hatte, Wochen der intensiven Arbeit an Planung, Erstellen von Skripten etc. liegen hinter uns, und er wegen nicht planbarer Umstände mehrmals verschoben werden musste, sind wir besonders freudig aufgeregt, dass es nun endlich soweit ist.
Unser 5köpfiges Team hat sich im Vorfeld einmal wöchentlich getroffen, um die Inhalte zu besprechen und jeder von uns hat seinen Bereich des Workshops vorbereitet.
Professor Rajbhandari hat uns bei der Planung unterstützt und die nötigen finanziellen Mittel aus dem Budget der SGCP zur Verfügung gestellt (die „Siddhartha-Hilfe für Nepal beteiligte sich daran mit 1000 Euro) und somit die Ausführung möglich gemacht.
Weitere fachliche und organisatorische Hilfe bekamen wir durch 2 nepalesische Ärztinnen, die ich für den Unterricht der vorgesehenen Stunden in Neuroanatomie begeistern konnte - für die Teilnehmer besser verständlich in ihrer Amtssprache Nepali, sowie durch 3 weitere Physiotherapeutinnen aus Österreich und Holland, die uns mit ihren Anregungen unterstützten. Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Liselot, Eva und Doris für ihre wertvolle fachliche Unterstützung bedanken!

Suresh Kaphle, der ebenfalls die Verantwortung für das Home-Visit-Programm des Kathmandu-Valleys trägt, hatte die Einladung der HausbesucherInnen aus 16 Distrikten sowie die Organisation für Unterkunft und Verpflegung übernommen. Da die Hausbesucher des
Out-Reach-Programmes aus entlegenen Distrikten Nepals anreisen müssen und es in Nepal keine Autobahnen und ICE Züge gibt, hoffen wir sehr, sie alle pünktlich empfangen zu können

Neben den Hausbesuchern aus den unterschiedlichen Distrikten werden die HausbesucherInnen des „Home-Visit-Programme Kathmandu Valley“, die PhysioassisstentInnen des Rehacenters sowie die LehrerInnen aus der Förderschule erwartet.

...und tatsächlich: um 10 Uhr sind dann 30 der 33 erwarteten TeilnehmerInnen erschienen. Da es aufgrund der politische Situation in Nepal immer wieder zu Ausschreitungen kommt, gibt es in einigen Distrikten im Westen des Landes gerade Ausgangssperren, so ist es den fehlenden 3 HausbesucherInnen nicht möglich Kathmandu pünktlich zu erreichen.
Professor Rajbhandari eröffnet den Workshop mit einer Ansprache und anschließend stellen sich sowohl die Teilnehmer als auch unser Team persönlich vor. Für alle Teilnehmer werden Schreibutensilien und Kopien sämtlicher Skripte bereitgestellt sowie verschiedene andere „Therapiematerialien“ wie Luftballons, Puppen, Wäscheklammern etc.
Nun kann es richtig losgehen - die 4wöchige sehr intensive Zeit des Miteinanders und des Austausches. Es ist das erste Mal, dass sich alle Mitarbeiter des SGCP der „self help group for cerebral palsy“ dem sogenannten „CP-Center“ treffen – das alleine macht es zu einem besonderen und denkwürdigen Ereignis in der Geschichte dieser Organisation.

In den ersten 2 Wochen unterrichten wir vorwiegend theoretisches
Basiswissen:
Am Anfang des Tages befassen wir uns mit den normalen Bewegungen des Menschen und mit der normalen Entwicklung eines Kindes ... als Voraussetzung für das Verständnis der Abweichungen vom Normalen. Aradhanna, Suresh Kaphle und ich haben diesen Teil gemeinsam vorbereitet.
An den Nachmittagen wird das Management der verschiedenen Programme unter die Lupe genommen. Es ist Zeit Fragen zu diskutieren und gemeinsam einen Rahmen für eine effektivere Arbeit zu entwickeln. Wir merken schnell, dass hier das Bedürfnis nach Verbesserung sehr groß ist und die Teilnehmer „sprühen“ nahezu vor Kreativität und Motivation.
Susi Groeli, Suresh Kaphle und Shova schaffen es, diese neuen Ideen in das vorhandene Konzept zu integrieren und dieses weiterzuentwickeln.
Gegen Ende eines jeden Tages unterrichten die beiden engagierten Ärztinnen über das Nervensystem und erläutern die Ursachen für bestimmte Erkrankungen und deren Auswirkungen.

... mittlerweile sind auch die 3 Teilnehmer aus den Bezirken im Westen Nepals eingetroffen...

Um den konkret praktischen Bezug zu halten, verbringen wir einen Tag in einem orthopädischen Krankenhaus, um genaueres über die Möglichkeiten von operativen Eingriffen bei Kindern mit Zerebralparese zu erfahren und einen Einblick in die orthopädische Hilfsmittelversorgung zu erhalten.
Dieser wird anschließend durch einen der wenigen Orthopädiemechaniker Nepals in einer zweistündigen Unterrichtseinheit vertieft.
Professor Shresthra, der Psychologe des CP-Centers, führt die Teilnehmer an einem Nachmittag in den Bereich der Kommunikation mit den betroffenen Eltern ein.
Nach diesem, keinesfalls trockenen, zweiwöchigen theoretischen Teil gilt es, das neue Wissen in die Praxis umzusetzen.
Wir arbeiten in Gruppen von 2-3 Teilnehmern mit je einem Kind aus der Förderschule oder dem Rehabilitationscenter. Hier begleitet uns Ellen Wiesenfeld, eine erfahrene kanadische Ergotherapeutin, für 2 Tage und eröffnet uns ihre Behandlungsaspekte.
Gegen Ende des Kurses entführt uns Susi Groeli an einem Nachmittag zu „dem neuen Land“ des Cp-Centers, auf dem im November 2004 der Bau des eigenen Gebäudes für das Rehabilitationscenter beginnen soll. Mit viel Enthusiasmus erzählt sie von den Plänen für das neue Gebäude und „schwebt“ regelrecht über dem Stückchen Erde. Das Bild, das sie so in uns entstehen lässt gibt uns allen ein intensives Gefühl der Verbundenheit.

Spaß, zwischenzeitliche Ratlosigkeit abgewechselt von plötzlicher momentaner Erkenntnis, Neugier, Erstaunen, Kritik, Kreativität, Spontanität,
Freude und Wissbegier sind unsere Begleiter auf dieser Reise durch die unterschiedlichsten Aspekte der Behandlung von Kindern mit Zerebralparese in Nepal.
Gemeinsam werden wir um Erfahrungen reicher und als wir am letzten Abend feierlich die Zertifikate über die Teilnahme an diesem Basisworkshop aushändigen, sind wir uns alle einig: dies kann nur der Anfang gewesen sein! Der Anfang eines stetigen Austausches von Wissen, um die Weiterentwicklung und Effektivität der Behandlung von Kindern in den abgelegensten Orten Nepals, zu denen keine Straßen führen und in denen es keine Krankenhäuser gibt, zu fördern.
Es ist uns wichtig, dass die HausbesucherInnen den Eltern mit Kompetenz zu Seite stehen können, damit diese ihr Schicksal besser tragen können und ihren Kindern mit sicherer Hand den Weg zu einem lebenswerten Dasein weisen.

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