Thursday, July 07, 2005

Patenschaften: Chechum


Chechum Sherpa ist ein kleines, jetzt 8-jähriges Mädchen, das wir im Herbst 2002 während einer Wanderung in der Langtang Region aufgelesen haben. Chechum wanderte mit ihrer Mutter einige Tage mit uns auf dem gleichen Weg. Für sie war der Aufstieg mühsam. Das kleine Mädchen schien krank, die Mutter erschöpft und ängstlich. Wir kamen immer wieder mit den Beiden ins Gespräch und wohnten nach 3 Tagen Wanderung schließlich in der kleinen Lodge von Chechums Onkel. Am Küchenfeuer wurde uns sehr zögerlich die Familiengeschichte erzählt:
Chechums Mutter und ihr Onkel sind Geschwister, deren Eltern kurz nach der Geburt ihrer Kinder aus Tibet geflüchtet waren. Sie leben nun in einem kleinen Dorf abseits der Hauptwege in der Langtang Region. Dort ist eigentlich auch Chechums Onkel zu Hause doch trieb in die finanzielle Notlage dazu sein Glück mit einer Touristenlodge zu versuchen. Eine Fehlinvestition, denn aufgrund der politischen Situation nimmt der Tourismus stetig ab. Chechums Mutter ist Anfang zwanzig. Sie wurde mit 16 von ihren Eltern, so wie es üblich ist, verheiratet. Was leider keiner wusste ist, dass sie bereits die Zweitfrau ihres Ehemanns wurde und dieser bald darauf noch eine dritte Frau heiratete. Als Chechum zur Welt kam und mit ihr der ersehnte männliche Nachwuchs erst einmal ausblieb, wurde für Chechums Mutter das Leben zur Hölle. Sie floh mit ihrem Kind zurück in ihr Elternhaus. Eine Geschichte, die sie leider zu tausenden in Nepal vorkommt.
Für Chechum gab es keine Möglichkeit eine Schule zu erreichen. Die einzige Möglichkeit wäre eine Internatsunterbringung im nächst größeren Ort, in Dunche gewesen. Da auch dieser Ort einige Tagesmärsche entfernt liegt, beschlossen wir gemeinsam Chechum in einem uns bekannten Internat in Kathmandu unterzubringen. Zum Schuljahresbeginn im April 2003 wurden Chechum von ihrem Onkel nach Kathmandu gebracht und von uns im Internat der „East Pole School“ untergebracht. Dies war und ist nur durch das Engagement einer Patenschaft möglich! Zu Anfang war es sehr schwer für Chechum, alleine und weit weg von zuhause, dazu kamen Sprachschwierigkeiten, denn sie verstand kein Nepali und in Internat und Schule sprach niemand ihre lokale Sprache Sherpa.
Dennoch hat sie sich erstaunlich schnell eingelebt. Die liebevolle Betreuung im Internat ist dabei sicherlich ausschlaggebend gewesen.
Die Schule bereitete ihr zu Anfang große Schwierigkeiten, inzwischen zählt sie zu den Klassenbesten und hat bereits eine Klasse übersprungen. Ein ständiges Problem von Chechum ist ihr fragiler gesundheitlicher Zustand. Sie leidet an immer wiederkehrenden Infektionen und war bereits mehrmals im Krankenhaus. Alle schrecklichen Vermutungen von TBC bis HIV wurden zum Glück nie bestätigt. Ihr schlechtes Immunsystem ist wahrscheinlich auf die schlechten Lebensbedingungen und die Mangelernährung in ihren ersten Lebensjahren zurückzuführen.
Trotz der weiten Entfernung von Mutter und Onkel sind diese in Chechums Leben nach wie vor sehr präsent. Ein Kontakt wird vom Internat gefördert und die Ferien und Festzeiten verbringt Chechum bei ihrer Familie im Dorf im Langtang.

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